Leistung ja – aber bitte richtig.

Leistung ja – aber bitte richtig.Menschen wachsen mit den Herausforderungen, die sie sich im Laufe des Lebens suchen. Im Grunde ist das ein Entwicklungsgesetz. Kein Kind muss motiviert werden gehen, laufen und sprechen zu lernen – unabhängig von der kulturellen Umgebung. Während der Schulzeit, erst recht aber im beruflichen Leben, nimmt jedoch die Zahl derjenigen Menschen zu, die Leistungsanforderungen keineswegs als bereichernd, sondern primär als Stress empfinden. Eine Begleiterscheinung davon ist das viel diskutierte Burnout-Syndrom.

Wie kann es sein, dass ein natürliches Bedürfnis zum Krankheitsphänomen wird?

Die Qualität der schulischen Bildung wird in der veröffentlichten Meinung dafür verantwortlich gemacht, dass sie weder den Bedürfnissen der Kinder, noch den Leistungsanforderungen der Gesellschaft gerecht wird.

Harald Martenstein nimmt in seiner sonntäglichen Kolumne im Berliner ‚Tagessspiegel‘ auf diese Debatte Bezug und kritisiert die mangelnde Leistungsorientierung. „Das Wort Leistung gilt ja mancherorts geradezu als Verstoß gegen die Menschenrechte“ sagt Martenstein. Dabei sei zum Lernen manchmal ein gewisses Maß an Druck erforderlich. „Druck, der sehr menschenfreundlich ist, wenn er den Kindern ein späteres Leben als Analphabet und Dauerarbeitsloser erspart.“

Lernprozesse beruhen auf organisierten oder zufälligen Herausforderungen, an denen sich Fähigkeiten entwickeln können. Insofern trifft Martenstein den Kern des Problems. Andererseits bieten Lernprozesse, die Druck ausüben, weit weniger Entwicklungsmöglichkeiten als diejenigen, die man sich selbst gewählt hat. Der renommierte Neurowissenschaftler Gerald Hüther hat diesen hirnphysiologischen Zusammenhang in seinen Studien nachgewiesen.

Um Menschen zu Herausforderungen zu motivieren, haben wir in unserer Leistungsgesellschaft das Prinzip von Belohnung und Bestrafung etabliert. Das funktioniert für gewöhnliche Leistungen ganz passabel. Es reduziert Menschen allerdings auf ein Reiz-Reaktions-Schema, und erhöhter Druck verhilft nicht automatisch zu mehr Leistung. Wer eine außergewöhnliche Leistung erbringen oder neue (Lern)Wege beschreiten will, ist darauf angewiesen, die Herausforderung innerlich zu bejahen.

Wie geht es Ihnen mit Ihren alltäglichen Herausforderungen? Reagieren Sie auf Druck oder können Sie sich für die Anforderungen begeistern?