Fehler sind Ansichtssache.

Fehler sind Ansichtssache.Jeder macht Fehler. Dieser Satz geht leicht über die Lippen – wenn es um andere geht. Wenn man selbst auf eine Fehlentscheidung zurückblickt, fällt die Kritik oft härter aus. Bei der Studienwahl hat man vielleicht einen falschen Weg eingeschlagen, sich bei der Unternehmensgründung verkalkuliert oder in der Gehaltsverhandlung zu schnell klein bei gegeben. Nicht immer lassen sich solche Erlebnisse leicht wegstecken. Wer jedoch ein Leben lang bereut, verliert dabei eine Menge Energie und hat dadurch einen noch größeren Schaden. Wie lässt sich das verhindern?

Für eine erste Hilfe hat die Natur bereits gesorgt: Immer dann, wenn man mit Tatsachen konfrontiert wird, welche die eigenen Überzeugungen und Wünsche in Frage stellen, entsteht ein innerer Konflikt, der für die menschliche Psyche nicht lange auszuhalten ist. Psychologen nennen diesen Zustand kognitive Dissonanz – und der Mensch reagiert darauf, indem er reflexartig versucht, diesen Konflikt aufzulösen. Wer also merkt, dass er eine Fehlentscheidung getroffen hat, wird unbewusst alles tun, um diese Entscheidung im Nachhinein zu idealisieren oder zu rechtfertigen. Das, was zunächst nach Schönreden klingt, ist aus psychologischer Sicht ein Schutzmechanismus des Gehirns, der über Enttäuschungen hinweghilft.

Hinderlich wird er erst dann, wenn Fehler vollständig geleugnet werden, und man dadurch weder aus ihnen lernen noch etwas korrigieren kann. Versagensängste oder Perfektionismus führen zum Beispiel leicht dazu, dass man sich Fehler nicht oder erst sehr spät eingesteht. Auf diese Weise halten Menschen oft über langen Zeitraum an erfolglosen Geschäftsideen oder gescheiterten Beziehungen fest – ohne ihr Vorgehen zu hinterfragen und die Chance zum Neuanfang zu nutzen.

Sich einen Fehler einzugestehen – das ist für viele schwer und wird gern vermieden. Dabei ist ein gewisses Maß an Fehlertoleranz wesentlich für den persönlichen Erfolg. Denn „wenn man nichts falsch machen darf, ist es schwierig, etwas richtig zu machen“ wie der Architekt Mario Bellini dazu sagte.

Wann haben Sie zuletzt eine Entscheidung bedauert? Und wie sind Sie damit umgegangen?